Stephan Teuber, Gastautor

Stärken und Talente der Mitarbeiter*innen entfalten oder versuchen, die Lücken zu schließen?

Schon beim einfachen Durchlesen des obigen Satzes ist klar: Lücken schließen klingt nach Arbeit, nach Anstrengung, nach Mühen. Stärken und Talente entfalten erinnert an Selbstentfaltung, an Freude, an Spaß, der sich einstellt, wenn ich meinen Stärken auf der Spur bin. Leider erleben wir immer noch viel zu häufig, dass Personal- und Führungskräfte-Entwicklung mit Gap-Analysen, Ist-Soll-Vergleichen und ähnlichem beschäftigt ist, um die Mitarbeiter*innen und Führungskräfte auf ihrem Weg zu begleiten, die Anforderungen der aktuellen Funktion möglichst in allen Bereichen zu 100 Prozent zu erfüllen.

Job-Crafting als Option?

Wie schön wäre es, wenn der Gedanke im Vordergrund stünde, wie ich das Anforderungsgefüge an meine Führungskraft so optimieren kann, dass sie in ihren Stärken und Talenten gefordert wird.

Der erste Schritt dazu wäre, sich selbst über die eigenen Stärken und Talente bewusst zu werden. (Dazu ein kleiner Tipp am Rande: Das Psychologische Institut der Universität Zürich im Fachbereich Persönlichkeitspsychologie und Diagnostik bietet dazu einige hervorragende Fragebogenverfahren, die vor allen kostenfrei und online genutzt werden können, um über die eigenen Stärken intensiver zu reflektieren (Charakterstärken). Wer teilnimmt, unterstützt damit gleichzeitig die weiteren Forschungsarbeiten.)

Mit dem Bewusstsein meiner Stärken könnte ich dann ins Gespräch mit Mitarbeiter*innen, Kolleg*innen und Vorgesetzten gehen, um die Spielräume auszuloten, die für das Job-Crafting bezüglich meiner Stelle und Funktion bestehen. Erfahrungsgemäß setzt schon dieses ins Gespräch gehen einen Prozess des sanften Job-Craftings in Gang, da ja auch mein betriebliches Umfeld neugierig wird, was alles doch nicht so festgeschrieben ist, wie es auf den ersten Blick zu sein scheint.

Im dritten Schritt würde das gezielte Stärken meiner Stärken, insbesondere durch intensivere Nutzung im betrieblichen Alltag im Vordergrund stehen.

Und wer kennt das nicht – wenn man anfängt, die eigenen Stärken gezielter in den Blick zu nehmen, „ertappt“ man sich automatisch immer wieder dabei, dass man die eigenen Stärken auch tatsächlich nutzt. Eine gute Chance, dass daraus das Gegenteil eines Teufelskreises entsteht: Ich weiß um meine Stärke; nutze diese bei der Arbeit; stelle fest, dass sich dadurch die Ergebnisse verbessern und auch meine Arbeitszufriedenheit steigt; dadurch bin ich motiviert, noch stärker auf meine Stärken zu achten, die ich dann auch immer stärke einsetze….

Positive Leadership in der Praxis

Im Rahmen eines Werkstattabends der AO.Profil „Mitarbeiterführung durch Positive Psychologie“ habe ich für Unternehmer*innen von meinen Erfahrungen im betrieblichen Alltag berichtet.